Umweltsozialisierung
Die Früherziehung und Sozialisierung sind zentrale Themen während der Welpenzeit. Je früher Sie mit der Erziehung des Welpen beginnen (optimalerweise 2-3 Tage nach der Übernahme), desto weniger Gelegenheiten hat Ihr Hund „Falsches“ zu lernen. Erfahrungen in der Sozialisierungsphase, welche ca. bis zur 16. Woche geht, werden auch als „prägungsähnliches Lernen“ bezeichnet.
Auch die Umweltsozialisierung ist ein besonders wichtiges Thema während den jungen Lebensmonaten. In dieser Lebensphase sollte der Welpe möglichst viele neue Dinge behutsam kennenlernen, z.B. Bus fahren, andere Tiere im Wildpark uvm. Denn unsere hektische Welt bietet viele Umweltreize, die der junge Welpe noch nicht kennt und mit denen er später umgehen können muss, wenn er damit konfrontiert wird, um nicht verunsichert oder gar panisch zu werden.
Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Themen, die Ihr Welpe kennenlernen sollte, um zu einem entspannten und unerschrockenen Hund heranzuwachsen. Durch antippen klappen sich die jeweiligen Lektionen aus.
Ihre Trainingseinheiten können Sie in Ihrem Hundeordner, den Sie zu Ihrem Unterrichtspaket dazu erhalten haben, festhalten.
Stadt, Land, Hund
Umweltreize kennenlernen
Soziales Umfeld
Fremde Menschen
Ihr Welpe sollte möglichst viele fremde, freundliche Menschen unter Kontrolle
des Besitzers kennenlernen. Die Familie und ein, zwei Nachbarn reichen hierfür nicht aus.
Wenn Sie keine eigenen oder schon größere Kinder haben, achten Sie darauf,
dass der Welpe auch Babys, Krabbel- und Kleinkinder kennenlernt, sowie
schreiende und rennende Kinder.
Es ist übrigens völlig normal, dass ein Welpe jeden Menschen überschwänglich
begrüßt. Diese Begeisterung legt sich mit zunehmenden Alter und hat mit ca. 1,5 Jahren i.d.R. ein normales Maß erreicht.
Trainingsorte
- Zuhause
- Nachbarschaft
- Kindergarten
- Schule
- Spielplätze
- Innenstadt
Standord Tipps
Häufigkeit
Mehrmals wöchentlich mit kurzen Kontakten.
Extra Tipp
Nutzen Sie das Hundezentrum als Übungsort. Gerne können Sie hier im „Dorf“ (Eingangsbereich) verweilen und das Kommen und Gehen anderer Kunden nutzen. Zeitgleich bietet dies eine tolle Übung zur Impulskontrolle und zudem Begegnungen mit anderen Hunden.
Menschenmengen
Besuchen Sie eine Fußgängerzone, setzen Sie sich mit Ihrem Welpen hin und lassen Sie ihn einfach nur staunen. Passen Sie auf, dass der Welpe nicht getreten oder angerempelt wird. Er soll positive Erfahrungen sammeln und nicht negative. Nehmen Sie ihn notfalls auf den Arm, wenn das Gedränge zu groß wird.
Standord Tipps
Häufigkeit
1-2x wöchentlich für ca. 20 Minuten.
Extra Tipp
Hier können Sie auch gleich den vorhandenen Aufzug nutzen.
Restaurantbesuch
Machen Sie erst einen kleinen Spaziergang, damit der Welpe müde ist und suchen Sie dann eine Gaststätte oder Biergarten auf. Der Welpe kommt unter den Tisch, stellen Sie den Fuß auf die Leine, damit er nicht herumlaufen kann, und ignorieren Sie jegliches Gejammer bzw. nehmen Sie die Leine dann kürzer. Wenn er ruhiger wird, können Sie ihm mehr Leine geben und ihn loben. Vermeiden Sie dabei, Ihren Welpen zu bemitleiden oder ihn aufzumuntern. In kalten Jahreszeiten ist hier eine Decke sinnvoll. Haben Sie eine kleine Rasse, können Sie ihn auch in eine Tragetasche setzen.
Trainingsorte
Häufigkeit
1x die Woche
Jogger und Fahrradfahrer
Setzen Sie sich z.B. an Spazierwege oder ans Mainufer. Jeder Ansatz zum Hinterherspringen oder Anbellen sollte sofort unterbunden werden.
Trainingsorte
- Spazierwege mit vielen Joggern und Fahrradfahrern
Standord Tipps
Häufigkeit
Mehrmals wöchentlich.
Hundekontakt
Viel Hundekontakt bedeutet, Hunde aller Altersstufen kennenzulernen. Besonders wichtig ist
der regelmäßige Kontakt zu Welpen des gleichen Alters und zu freundlichen und gut sozialisierten älteren Hunden. Der Besuch einer gut geführten Welpenspielgruppe oder einer Tagesstätte mit anderen Welpen, aber auch souveränen erwachsenen Hunden, ist unerlässlich. Drei oder vier Nachbarshunde reichen für eine gute Sozialisierung nicht aus. Sie sollten mit dem Kontakt zu anderen Hunden bereits früh starten, ab der 8. / 9. Lebenswoche, um die wichtige Sozialisierungsphase nicht zu verpassen.
Vermeiden Sie den Besuch von Freilaufplätzen. Sie wissen nie auf welche Hunde und Besitzer Sie hier treffen. Ihr Welpe soll möglichst viele positive Erfahrungen sammeln und keine negativen.
Trainingsorte
- Welpenspielstunde
- Hundetagesstätte
Häufigkeit
Täglich Hundekontakt und regelmäßige Teilnahme an Gruppenstunden oder der Tagesstätte (mind. 2x wöchentlich).
Andere Tiere
Folgende Tierarten sollte Ihr Welpe kennenlernen und als normal hinnehmen:
Katzen, Kühe, Pferde, Schafe, Ziegen, etc. Kleine Haustiere wie Kaninchen,
Meerschweinchen (evtl. bei Nachbarn besuchen), Vögel (Tauben, Enten,
Schwäne etc.) Wild z.B. Rehe, Hasen, Wildschweine.
Trainingsorte
- Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen etc. bei Freunden
- Pferde in der Nähe von Reitställen
- Kühe im ländlichen Raum
Standord Tipps
Häufigkeit
So oft, bis der Welpe diese Tiere nicht mehr als sensationell empfindet. Sollte in jeder Entwicklungsstufe getestet werden (alle 2-3 Wochen).
Handling und Körperkontrolle
Festhalten
Die beste Möglichkeit dem Welpen Ruhe und Entspannung in sämtlichen
Situationen beizubringen, ist die Welpenzeit. Da Welpen dies oft noch nicht
von allein schaffen, hilft es ihnen räumlich begrenzt zu werden. Halten Sie ihren
Hund mindestens alle zwei Tage so fest, dass er sich nicht entziehen kann. Hier
bitte darauf achten, dass der Hund nicht gestreichelt wird, um keine unnötige
Bewegung reinzubringen. Zappelt der Hund oder wehrt sich, bleiben Sie ruhig
und lassen nicht los, bis er sich wieder entspannt. Wenn er über mehrere
Sekunden entspannt bleibt, lassen Sie ihn mit einem kurzen, ruhigen verbalen
Lob los. Diese Übung ist auch in Hinsicht eines Tierarzttermins oder eines
Besuchs beim Hundefriseur hilfreich.
Trainingsorte
- Zuhause
- Während des Spaziergangs
- NICHT im Beisein anderer freilaufender Hunde
Häufigkeit
Mehrmals wöchentlich in kurzen Sequenzen.
Extra Tipp
Wenn Sie Ihren Welpen auf dem Arm tragen und er zappelt, setzen Sie ihn nicht in diesem Moment ab. Warten Sie, bis er ruhig hält. Das kann gerade zu Beginn ein bisschen dauern. Wenn Sie z.B. gerade dabei sind ihn herunterzuheben und er beginnt dann wieder zu zappeln, stellen Sie sich wieder hin und warten wieder, bis er ruhig ist. Der Welpe soll so lernen, dass er durch Zappeln nicht das bekommt, was er möchte.
Medicaltraining
Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Welpen körperlich. Er sollte dies ohne zu zappeln zulassen, ruhiges Verhalten belohnen Sie.
Inhalte des Medicaltrainings:
- sich untersuchen lassen, wie Augen, Ohren, Pfoten
- Augentropfen geben
- sich bürsten lassen
- Krallen schneiden
Trainingsorte
- Zuhause
Häufigkeit
Mehrmals wöchentlich in unterschiedlichen Altersstufen (alle 2-3 Wochen).
Extra Tipp
Wir bieten in unregelmäßigen Abständen Medicaltraining als Workshop an. Alternativ können Sie dies auch jederzeit im Einzelunterricht mit Ihrer Trainerin erarbeiten.
Sie kann Ihnen auch wichtige Fragen beantworten, wie:
- Wie erkennt man Kreislaufprobleme?
- Impfpass richtig lesen
- Entwurmen: wann, wieso, womit?
- Zeckenschutz: Was hilft wirklich?
- Krallenpflege: Warum ist es so wichtig die Krallen kurz zuhalten?
Tierarzt
Achten Sie darauf, dass die Tierarztbesuche möglichst positiv besetzt werden.
Dies ist natürlich sehr schwierig, da der Hund i.d.R. eine Spritze bekommt oder
sonstige unangenehme Behandlungen über sich ergehen lassen muss. Nehmen
Sie besonders beliebte Leckerchen mit, um die Besuche erträglich zu machen.
Trainingsorte
- Tierarztpraxis
Häufigkeit
Der erste Besuch sollte ein reiner Vorstellungstermin sein, verbunden mit Leckerchen, ohne Behandlung und ohne Spritze. Sprechen Sie dies mit Ihrem Tierarzt vorher entsprechend ab.
Stadtreize
Verkehr
Ihr Welpe muss sich sowohl bei ruhigem Verkehr, als auch bei starkem und
schnellen Verkehr sicher fühlen. Gehen Sie nicht nur in Ihrem Wohngebiet
sondern auch an belebten Straßen spazieren. Ruhig auch öfter mal an einer
Schnellstraße! Vergessen Sie nicht große Lastwagen, Baumaschinen, Trecker, Müllauto, Straßenkehrmaschine, etc.
Trainingsorte
- Hauptstraßen
- Schnellstraßen
- Autobahnraststätten
Häufigkeit
3x wöchentlich für ca. 10 Minuten.
Einkaufszentrum
Diese Orte stellen eine völlig andere Umgebung dar, wie ein glatter Boden, viele
Menschen, künstliches Licht, ungewohnte Geräusche und Gerüche. Machen Sie Ihren Welpen auch mit dieser ungewohnten Umgebung vertraut, damit Sie ihn später entspannt mitnehmen können.
Trainingsorte
- Einkaufszentren, z.B. City Galerie Aschaffenburg
- Flughafen
Häufigkeit
Mehrmals während der Sozialisierungsphase.
Bahnhof und Zug fahren
Setzen Sie sich an den Bahnsteig und bleiben Sie solange, bis der Welpe ein- und
ausfahrende Züge relativ gelassen hinnimmt. Bringen Sie viel Zeit beim
ersten Mal mit. Bewältigt der Welpe diese Situation ohne Angst, unternehmen Sie eine kleine Zugfahrt.
Häufigkeit
2x monatlich eine oder zwei kurze Bahnfahrten, bei einem
ängstlichen Hund öfter.
Bus fahren
Fahren Sie Bus mit dem Welpen. Ganz kleine Welpen nehmen Sie auf den Arm,
Junghunde können schon selbständig angeleint ein- und aussteigen.
Häufigkeit
2x wöchentlich.
Auto fahren
Auch das Mitfahren im Auto will gelernt sein. Dies sollte in der Sozialisierungsphase täglich erfolgen. Die Sicherung erfolgt über eine Transportbox.
Parkhäuser
Machen Sie Ihren Welpen auch mit Parkhäusern vertraut und nutzen Sie hier auch ggf. vorhandene Aufzüge.
Häufigkeit
Täglich während der Sozialisierungsphase.
Fähre fahren
Haben Sie eine Fähre in erreichbarer Nähe, nutzen Sie auch diese Möglichkeit.
Wenn Sie mit dem Auto auf die Fähre fahren, sollten Sie auch aussteigen (dürfen), damit die Fahrt auch ihren Effekt hat.
Häufigkeit
So oft wie nötig, behutsam anfangen und langsam steigern.
Ortswechsel und Herausforderungen
Geräuschquellen
Machen Sie Ihren Welpen mit lauten Knallgeräuschen vertraut, wie einen Luftballon platzen lassen, ein dickes Buch fallen lassen, mit dem Staubsauger und sonstiges. Schauen Sie den Hund dabei nicht an.
Bei sehr schüchternen oder ängstlichen Welpen halten Sie zunächst Rücksprache mit Ihrer Trainerin.
Trainingsorte
- Zuhause
Häufigkeit
So oft wie nötig, behutsam anfangen und langsam steigern.
Alltagsgegenstände
Auch Alltagsgegenstände, wie Regenschirme, Krücken oder Koffer, sollte der Welpe frühzeitig kennenlernen.
Nutzen Sie hierfür Hilfspersonen, die mit verschiedenen Alltagsgegenständen am Welpen vorbeilaufen.
Häufigkeit
Mehrmals während der Sozialisierungsphase, bis der Welpe unbeeindruckt reagiert.
Verschiedene Untergründe
Der Welpe sollte verschiedene Untergründe kennenlernen, wie glatte und raue Böden, oder auch Gitterroste.
Trainingsorte
- An verschiedenen Orten
Standort Tipps
Häufigkeit
Mehrmals während der Sozialisierungsphase.
Treppen
Welpen sollten während der ersten Lebensmonate nicht zu viele Treppen laufen,
um Gelenkerkrankungen durch Überbeanspruchung vorzubeugen. Trotzdem soll
der Welpe verschiedene Treppen (glatte, rauhe, offene, usw.) kennenlernen und
bewältigen. Helfen Sie zur Not mit Leckerchen und viel Lob nach.
Rolltreppen jedoch sind zu gefährlich. Welpen oder Hunde kleiner Rassen
können Sie auf den Arm nehmen. Mit großen Hunden oder Welpen müssen Sie
einen Umweg in Kauf nehmen. Die Gefahr, dass der Hund sich eine Pfote oder
Kralle klemmt, ist zu groß.
Häufigkeit
So oft wie nötig, bis Ihr Welpe souverän die Treppen hoch und runter läuft.
Dunkelheit
Begegnungen mit fremden Menschen, Hunden und Verkehr muss auch in
Dunkelheit geübt werden. Dies sollte so oft wie nötig trainiert werden. Denken Sie dabei an Beleuchtung für den Hund, z.B. ein Leuchtmittel zur Befestigung am Halsband.
Häufigkeit
So oft wie nötig, bis Ihr Welpe souverän durch die Dunkelheit läuft. Bei ängstlichen Hunden ggf. häufiger.
Wassergewöhnung
Fangen Sie mit kleinen Bächen an und gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Zwingen Sie Ihren Hund nie, sondern locken Sie ihn notfalls mit Trockenfisch
oder anderen attraktiven Leckerchen, spielen am Ufer oder setzen sich einfach
lange Zeit daneben. Begeisterte „Wasserhunde“ als Vorbild können eine Hilfe
sein. Gewöhnen Sie den Hund langsam an größere Bäche und Seen, schwimmen
Sie voran. Winterwelpen sollten zumindest an kleinere Bäche gewöhnt werden
und so bald wie möglich an größere.
Trainingsorte
- An verschiedenen Orten
Standort Tipps
Häufigkeit
So oft wie möglich.
Unterführungen und Tunnel
Nutzen Sie verschiedene Unterführungen und Tunnel, um Ihren Welpen damit vertraut zu machen. Laufen Sie ohne großen Trubel hindurch.
Trainingsorte
- An verschiedenen Orten
Standort Tipps
Häufigkeit
So oft wie nötig, bis der Welpe entspannt hindurch läuft.